Unsere Oscar


Unser Oscar, das Weichei und unser Clown. Er hat uns gesucht, gefunden und sofort adoptiert. Gefragt wurden wir nicht, irgendwann war er einfach da. In seinem alten Zuhause hat es ihm wohl nicht so gut gefallen, und er hat gedacht ein Wechsel zu uns könnte seine Lebensqualität um einiges erhöhen.

Irgendwann vor ein paar Jahren im Herbst oder Winter saß er auf der Terrasse bei uns, etwas zerrupft aussehend und gar nicht zufrieden mit seinem momentanen Leben, und Hunger hatte er wie ein Wolf. Als ich ihm was zu futtern hin stellte, fauchte er mich aber vorsichtshalber doch mal an, man weiß ja nie! Aber gefuttert hat er dann trotzdem, in Null Komma nichts war der Napf leer. "Nachschlag bitte!" forderte er. Den bekam er natürlich auch, haute sich den auch noch rein und verschwand.

Am nächsten Abend um die gleiche Zeit stand er wieder parat, ich stellte ihm einen Napf hin und in der gleichen Geschwindigkeit wie am Abend vorher war der Napf leer. Diesmal war er schon gnädiger gestimmt und das ganze lief ohne Fauchen ab. Er strich auch schon mal um meine Beine, um zu zeigen, daß er mir wohlgesonnen war. Na da freute ich mich aber, mir schwante da schon was.

Aber-, er zog wieder von dannen.

Früh abends am nächsten Tag ging ich zu Freunden und sah ihn durch den Park stromern. "Der wird nachher wieder auf der Terrasse sitzen." dachte ich bei mir. Da sollte ich mich aber getäuscht haben, als ich heimkam, saß er in der Küche auf einem Stuhl. In der Annahme es sei Josy, (was Josy ja schon erzählt hat) ging ich ins Wohnzimmer und sah die gleiche Josy, die eben noch in der Küche auf dem Stuhl saß, im Wohnzimmer auf dem Schrank sitzen.

Hoppla! Zurück in der Küche erkannte ich meinen Irrtum. Verzeih mir Josy, daß ich Dich kleines, zierliches, hübsches Kätzchen mit diesem "dahergelaufenen" ungepflegten Kater verwechseln konnte!

Ja, da saß er nun, im Gegensatz zu Josy hatte er das Prinzip der Katzenklappe gleich begriffen und zu seinem Vorteil ausgenutzt. Aber vielleicht hatte er in seinem vorherigen Zuhause auch eine Katzenklappe und war es schon gewohnt. Das kann natürlich auch sein. Das muß dann doch zu Josy's Entschuldigung gesagt werden.

Ich war nicht unbedingt erpicht darauf eine zweite Katze im Haus zu haben, normalerweise hätte ich ihn sofort aufgenommen, aber nicht mit unsrer Josy im Haus, die sich zwar wunderbar mit Blue verträgt, aber Artgenossen überhaupt nichts abgewinnen kann. Aber natürlich blieb er erst mal da, am nächsten Tag setzte ich unsere Tierärzte und unseren Tierschutzverein davon in Kenntnis, daß uns ein Kater zugelaufen war. Aber keiner vermißte Oscar.

Am Wochenende kamen Freunde zu Besuch und beschlossen ihn mit zu sich zu nehmen. Ich weiß nicht, wie viele Katzen sie zu diesem Zeitpunkt hatten, aber es waren schon einige. Aber ein Plätzchen für Oscar hatten sie noch frei. Ehe sie ihn mitnahmen, wollten wir erst mal nachsehen, ob er eventuell eine Tätowierung in den Ohren hatte, das konnten wir vergessen.

Das scheiterte an Oscar's mangelnder Hilfsbereitschaft. Er fand das einfach unzumutbar. Also fuhr er erst mal mit in den Westerwald. Wir waren erleichtert, daß er so ein schönes Plätzchen als neue Heimat gefunden hatte. Josy ebenfalls, sie war wieder die Alleinherrscherin.

Ein paar Tage später riefen die Westerwälder an und berichteten, daß Oscar doch eine Tätowierung hätte, über Tasso hätten sie seine Adresse erfahren, und die war ein paar Häuser weiter von uns entfernt. Also rief ich seine Besitzer an und teilte ihnen die freudige Botschaft mit. Ein bißchen mehr Begeisterung hätte ich jetzt schon erwartet. Aber da erwartete ich anscheinend zuviel. Mehr wie ein "Ach ja?" und: "Ja, das ist unser Kater." kam da nicht.

Aber wir vereinbarten, daß er wieder in sein altes Zuhause gebracht werden würde. Also fuhren die Westerwälder wieder in die Wetterau und zusammen brachten wir Oscar zurück, der natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht Oscar hieß. Auf die näheren Einzelheiten möchte ich jetzt nicht eingehen, aber wir hatten alle kein gutes Gefühl , als wir ihn da ablieferten. Mit Recht, wie sich bestätigen sollte.

Ein paar Tage später stand er wieder bei uns auf der Matte, ich sagte seinen Besitzern Bescheid, aber keiner kam um ihn zu holen, und von da an hatten wir ihn auf dem Hals, wie Josy sich schon so elegant ausgedrückt hat. Seinen Namen haben wir dann in Oscar umgeändert, und er hat auch schnell darauf gehört. Wir wollten ihn dann auch nicht mehr weg geben, mit Josy hat er sich einigermaßen arrangiert, manchmal gibt es natürlich eine Fetzerei, aber ab und zu liegen sie auch schon mal zusammen auf dem Sofa, mit dem gebührenden Abstand natürlich.

Je länger er bei uns ist, desto verschmuster wird er, im Moment ist mein Freund sein allerhöchstes Idol. Da wird er richtig lästig. Er schmeißt sich an ihn ran und fängt an zu erzählen wie ein Weltmeister, wenn er gekrault wird. Und er hat viel zu erzählen! So sind wir an Oscar gekommen. Und obwohl er jetzt nur zwei oder drei Minuten von seinem ehemaligen Zuhause wohnt, hält er uns die Treue